Es ist meine persönliche Überzeugung, dass wir es den Pferden in unserer Obhut schulden, beste Haltungs- und Managementpraktiken anzuwenden und anzustreben. Wir alle wissen jedoch, dass die Praxis oft anders aussieht, sei es aufgrund beherrschender monetärer Interessen und Gewinne, eines Mangels an Wissen, (Aus-)Bildung und/oder Ressoursen oder einer Reihe anderer Gründe. Daher ist es zu begrüßen, wenn wir zeigen können, dass das Pferdewohl und Geschäftsinteressen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern Hand in Hand gehen.
Lasst sie Pferde sein
In einer aktuellen Studie wurden Zusammenhänge zwischen Umwelteinflüssen während der Trächtigkeit und in der frühen Lebensphase bei Vollblütern und (i) der Wahrscheinlichkeit, an Rennen teilzunehmen, (ii) der Gesamtzahl der Starts sowie (iii) dem Gesamtpreisgeld bis zum Ende des dritten Lebensjahres untersucht. 129 Vollblutfohlen aus sechs Gestüten im Vereinigten Königreich wurden bis zum Alter von vier Jahren in die Studie einbezogen.
Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass ein umfangreicher Weidegang in der frühen Lebensphase und ein späteres Absetzen mit besseren Rennleistungen einhergingen. Es wird angenommen, dass dies auf die verbesserten Möglichkeiten für eine positive Anpassung des Bewegungsapparats sowie auf optimale Wachstums- und Entwicklungsraten während eines kritischen Zeitfensters der Entwicklungsplastizität zurückzuführen ist.
Längerer Weidegang auf größeren Flächen
In der vorliegenden Studie wurden eine längere Weidezeit und eine größere Weidefläche während der ersten sechs Lebensmonate des Fohlens jeweils mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Rennkarriere und einem höheren Gesamtgewinn bis zum Ende des vierten Lebensjahres in Verbindung gebracht. Es wird vermutet, dass eine längere Weidezeit auf größeren Koppeln in einer Phase, in der der Körper der Fohlen ein rasantes Wachstum und eine hohe Entwicklungsplastizität durchläuft, den jeweiligen Fohlen eine größere Chance bot, die für eine positive Anpassung des Bewegungsapparats erforderlichen Belastungen und Aktivitätsintensitäten zu erreichen. Dies führte wiederum zu einer höheren Widerstandsfähigkeit gegen Verletzungen und Krankheiten sowie zu einer besseren sportlichen Leistungsfähigkeit im späteren Leben.
Es besteht zudem die Möglichkeit, dass körperliche Aktivität und Sport in jungen Jahren zu einer gesteigerten Bewegungsmotivation, einer verbesserten Stoffwechselfunktion, einer Verringerung von Übergewicht sowie einer verbesserten entzündungshemmenden Immunabwehr im späteren Leben beitragen.
Die soziale Umgebung der Fohlen sowie die Möglichkeit, sich zu bewegen und in Gruppen natürliches Verhalten auszuleben, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Bewältigungsstrategien sowie der kognitiven Entwicklung und der Resilienz im späteren Leben, was ihre Leistungsfähigkeit steigern kann.
Spätes Absetzen
Das Absetzen gilt als eines der stressreichsten Ereignisse im Leben eines Pferdes. Ergebnisse aus Beobachtungsstudien an natürlichen Pferdepopulationen deuten darauf hin, dass sich die mit dem Absetzen verbundenen Stressreaktionen offenbar abschwächten, wenn Fohlen freiwillig absetzen durften, was im Durchschnitt im Alter von etwa 9 bis 10 Monaten geschah.
In der vorliegenden Studie wurde ein positiver Zusammenhang zwischen der Gesamtzahl der Rennen bis zum Ende des vierten Lebensjahres und dem Alter beim Absetzen festgestellt.
Insgesamt bestätigen die Ergebnisse, dass auf das Pferdewohl ausgerichtete Managementpraktiken, die sowohl die körperliche als auch die soziale Entwicklung fördern, zu einer besseren Leistungsfähigkeit in späteren Lebensphasen führen.
Quelle: Mouncey, de Mestre, Arango-Sabogal, Verheyen, Born to run? Associations between gestational and early-life exposures and later-life performance outcomes in Thoroughbreds
