Die Luft hat eine besondere Qualität, während der Februar still und leise in den März gleitet und der Spätwinter sich dem Frühling zuneigt. Die Vögel stimmen ihre Lieder an, die Tage werden länger und wir Pferdebesitzer warten ungeduldig darauf, dass das Gras endlich zu wachsen beginnt. In der Traditionellen Chinesischen (Veterinär-)Medizin hat dieses Empfinden einen Namen und einen Grund. Es ist die Bewegung von Qi , das sich im Wandel befindet. Für diejenigen unter uns, die mit Pferden unter dem Gesichtspunkt der traditionellen chinesischen Veterinärmedizin (TCVM) und der Akupressur arbeiten, ist dieser Jahreszeitenwechsel eine der wichtigsten – und zugleich nuancenreichsten – Zeiten des Jahres.

Die Jahreszeit aus der Sicht der TCVM
Die Traditionelle Chinesische Veterinärmedizin (TCVM) unterteilt das Jahr nicht nur in vier Jahreszeiten, sondern in fünf Wandlungsphasen, wobei das Ende des Winters an der Schnittstelle zwischen der Wandlungsphase Wasser und der beginnenden Wandlungsphase Holz liegt. Wasser ist das Element des Winters. Es zeichnet sich durch Tiefe, Stille, innere Reflexion und Regeneration aus. Es ist die Yin-reichste Phase des Jahres. Niere und Blase sind die dafür zuständigen Organsysteme. Pferde, die gut überwintert haben, haben Jing (Essenz) gespeichert und Reserven aufgebaut. Während einer langen, kalten Saison können diese Ressourcen erheblich verbraucht werden, besonders bei älteren Pferden, denjenigen, die bis in den Winter stark beansprucht werden, oder Pferde in Regionen mit rauem Klima.
Wenn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, richten wir unseren Blick nach Osten und spüren, wie die Yang-Energie hervorbricht – ähnlich wie die aufgehende Sonne bei Tagesanbruch. Die Wandlungsphase Holz, als die primäre Energie des Frühlings, beginnt zu erwachen. Holz wird von Leber und Gallenblase gesteuert. Seine Natur ist expansiv, aufwärtsgerichtet und dynamisch – ähnlich wie die ersten grünen Triebe, die sich durch kalten oder gefrorenen Boden drängen. Für unsere Pferde bedeutet dies, dass der Körper aufgefordert wird, von Kontraktion zu Expansion, von Speicherung zu Bewegung, von Stille zu Wachstum zu wechseln.
Akupressurpunkte zur Unterstützung des Übergangs vom Winter zum Frühling
Bei der Pferdeakupressur wird sanfter, anhaltender Druck auf bestimmte Punkte entlang der Leitbahnen des Körpers ausgeübt, um den reibungslosen Fluss von Qi und Blut zu durch den Körper fördern. Während des Übergangs vom späten Winter zum Frühling kann eine gut abgestimmte Pferdeakupressurbehandlung das Nieren-Qi stärken, das durch die Wintermonate geschwächt sein kann, den reibungslosen Fluss des Leber-Qi fördern und den Bewegungsapparat sowie das Verdauungssystem des Pferdes sanft auf die zunehmende Aktivität vorbereiten.
Die folgenden Akupressurpunkte können in dieser Übergangsphase hilfreich sein. Gehe bei der Akupressur am Pferd stets mit einer ruhigen, geerdeten Energie vor, lass Dich von den Reaktionen des Pferdes leiten und arbeite in einer Umgebung, in der Du ungestört bist und sich das Pferd entspannen kann.

Akupressurpunkte für Leber und Gallenblase
Diese Akupressurpunkte helfen stagnierendes Qi in Bewegung zu bringen, das sich im Winter ansammeln kann, und unterstützen die Leber bei der Entgiftung sowie beim reibungslosen Energiefluss.
Leber 3 (Le 3)
Taichong | Großer Ansturme | Erdpunkt | Quellpunkt.
Lokalisierung: Auf dem kraniomedialen Aspekt des Röhrbeins des Hinterbeins auf Höhe des medialen Griffelbeinköpfchens.
Leber 3 fördert den harmonischen Fluß des Leber-Qi und beruhig Shen/den Geist.
Gallenblase 34 (GB 34)
Yang-Ling-Quan | Quelle am Yang-Hügel | Erdpunkt.
Lokalisierung: In der Vertiefung kraniodistal vom Fibulaköpfchen, im Interossalraum zwischen Tibia und Fibula, zwischen dem M. extensor digitorum communis und M. extensor digitorum longus.
Einflussreicher Punkt der Sehnen und Bänder. Ein zentraler Punkt des Körpers, der dazu dient, den reibungslosen Fluss des Leber-Qi im gesamten Körper zu regulieren. Fördert den Blut- und Qi-Fluss in der Hinterhand und die Entspannung der Sehnen und Bänder.
Akupressurpunkte für Niere und Blase
Blase 23 (Bl 23)
Shen Shu | Nieren Rücken-Shu | Zustimmungspunkt
Lokalisierung: 3 Cun lateral der dorsalen Mittellinie zwischen dem zweiten und dritten Lendenwirbel, in der Muskelfurche zwischen dem M. longissimus lumborum und dem M. iliocostalis lumborum. Dieser Punkt liegt oft direkt dorsal des kaudalen Aspekts der letzten Rippe.
Blase 23 ist der Zustimmungspunkt (Shu -Punkt) der Niere, d. h. er ist im Wesentlichen ein direkter Zugangspunkt zum Organsystem der Niere. Er tonisiert Nieren-Yin, stärkt das Gehirn, die Knochen und das Mark, belebt Shen/den Geist und stärkt den kaudalen Rücken und die Hinterhand.
Niere 3 (Ni 3)
Taixi | Größerer Strom | Erdpunkt | Quellpunkt.
Lokalisierung: In einer Vertiefung zwischen dem Malleolus medialis, proximal der Sene des kranialen M. tibialis cranialis.
Dieser Akupressurpunkt tonisiert Nieren-Yin und fördert die Essenz (Jing). Unterstützt den hinteren Rücken.
In Teil 2 dieses Beitrags teile ich weitere Akupressurpunkte mit Euch, die das allgemeine Gleichgewicht und das Verdauungssystem unterstützen, da viele Pferde in den kommenden Wochen angeweidet werden.
Ihr könnt die Arbeit mit diesen Akupressurpunkten in Eure Putzroutine integrieren. Übe am Anfang sanften, gleichmäßigen Fingerdruck für ca. 30–60 Sekunden lang auf dem Akupressurpunkt und lasse ihn los, sobald das Pferd Zeichen der Entspannung zeigt. Bezieht die Punkte auf beiden Seiten des Pferdes in die Behandlung ein. Achtet darauf, dass Ihr in einer ruhigen Umgebung seid, in der Ihr und Euer Pferd ungestört ist. Beobachtet stets die Reaktionen Eures Pferdes und brecht die Behandlung ab, wenn es Anzeichen von Unbehagen oder Schmerzen zeigt, und klärt die Ursache für eine solche negative Reaktion mit Eurem Tierarzt ab. Diese Sitzungen ergänzen, ersetzen jedoch nicht die tierärztliche Behandlung.
Wartet nach dem Füttern von Kraftfutter zwei Stunden, bevor Ihr mit einer Session beginnt. Arbeitet nicht mit trächtigen Stuten, da die Arbeit mit bestimmten Akupressurpunkten einen Abort induzieren kann. Sollte Dein Pferd gesundheitliche Probleme aufweisen, hole zunächst den Rat Deines Tierarzts ein.
Hinweis: Pferdeakupressur ist eine ergänzende Behandlungsmethode und kein Ersatz für tierärztliche Betreuung. Konsultieren Sie vor Beginn einer Akupressurbehandlung stets einen Tierarzt oder einen zertifizierten TCVM-Praktiker, insbesondere bei Pferden mit bestehenden Gesundheitsproblemen.