Oft scheint es, als kämen gesundheitliche Probleme unserer Pferde aus dem Nichts – von einem Tag auf den anderen. Gestern war noch alles in Ordnung! Dabei sind viele Probleme, die unsere Aufmerksamkeit fordern, sekundär. Oft haben sie bereits früher in einem anderen Körperteil begonnen, als demjenigen, in dem nun Symptome auftreten. Was wir heute sehen, ist häufig das Ergebnis von Kompensation oder einer Kompensationskette für ein anderes Problem, das nicht so offensichtlich war.
Vielleicht erinnerst Du Dich, dass sich Dein Pferd festgelegen hatte und danach völlig unversehrt wirkte. Oder an die Situation, als Dein Pferd weniger bereit schien, vorwärts zu gehen als zuvor. Oder als es gegen das Gebiss geht, Widerstände oder Unbehagen beim Satteln zeigte, oftmals die Hand im Galopp wechselt oder in den Kreuzgalopp umspringt. Die Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen.
Verbindungen im Körper
Wir verstehen heute die Zusammenhänge im Körper des Pferdes besser denn je und lernen immer mehr darüber, welche Probleme miteinander in Verbindung stehen und wo die zugrunde liegenden Ursachen zu finden sind. Um nur ein Beispiel zu nennen: Dank unserer Kenntnisse über die myofaszialen kinetischen Linien, die den gesamten Körper verbinden, ist unser Verständnis der Zusammenhänge im gesamten Körper heute viel größer als noch vor einigen Jahren. Und eine Blockade des Kiefergelenks, die bei Reitpferden von großer Bedeutung ist, kann zu Problemen in völlig anderen Körperregionen führen. So können beispielsweise Taktunreinheiten und Zügellahmheiten der Vorhand durch die muskulären Verbindungen zur Schulter verursacht werden.
Zudem hatten Tierärzte und andere erfahrene Pferdefachleute bereits vor diesen Entdeckungen ihre Erfahrungen und ihr Wissen über Zusammenhänge im Körper des Pferdes und damit verbundene Probleme weitergegeben. Das Problem und das Bewusstsein dafür sind also nichts Neues.
Der Wert von regelmäßigen Check-Ups
Entscheidend ist daher, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu identifizieren, sobald sie auftreten, bevor sie durch Kompensation in weiteren Problemen und Symptomen äußern können. Einerseits brauchen wir Therapeuten, die diese Zusammenhänge verstehen und erkennen und somit die Ursache statt nur die Symptome behandeln können. Andererseits brauchen wir Pferdebesitzer, die den Wert der Prävention kennen und diese nutzen. Dies sowohl zum Wohle der Pferde als auch für eine harmonische Partnerschaft zwischen Reiter und Pferd.
Auf diese Weise können wir frühzeitig auf kleinere Ungleichgewichte reagieren und verhindern, dass sich der Zustand verschlimmert oder gar erst auftritt. Daher ist es sinnvoll, Ihr Pferd (halb-)jährlich einem Akupunkteur, Akupressur-Therapeuten, Osteopathen oder anderen Manualtherapeuten vorzustellen.
Präventative Kraft von Pferdeakupunktur und Pferdeakupressur
Als jemand, der sich auf die Traditionelle Chinesische Veterinärmedizin (TCVM) spezialisiert hat, bin ich natürlich voreingenommen, aber eine der Stärken der TCVM und damit auch der Akupunktur und Akupressur ist die Prävention. Da diese Behandlungsmethoden – die sich in ihrem Ansatz deutlich von der westlichen Schulmedizin unterscheiden – und ihre Art der Beurteilung eines Pferdes es uns ermöglichen, Ungleichgewichte sehr früh zu erkennen, können wir Gegenmaßnahmen ergreifen, bevor sich ernstere Probleme manifestieren. In Verbindung mit einer gründlichen Kenntnis des Körpers, seiner Funktionen und Zusammenhänge macht dies Akupunktur und Akupressur zu einer wirkungsvollen Methode sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung bestehender Beschwerden.
