Sehnenverletzungen bei Pferden kommen häufig vor und werden oft gefürchtet, da sie mit langen Genesungs- und Rehabilitationsphasen verbunden sind und die Gefahr einer erneuten Verletzung besteht.
Sehnen und Bänder sind faseriges Bindegewebe, das für Stabilität und Bewegung unerlässlich ist. Sie bestehen hauptsächlich aus Kollagen. Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen, während Bänder Knochen miteinander verbinden.
Am häufigsten sind Sehnen der Vorhand betroffen. Die drei am stärksten gefährdeten Strukturen sind die oberflächliche Beugesehne (SDFT), die tiefe Beugesehne (DDFT) und der Fesselträger.
Verletzungen von Sehnen und Bändern
Die häufigste Art von Verletzung ist eine Überlastung, die durch eine übermäßige Belastung der Sehne gekennzeichnet ist, die zu winzigen Rissen in der Sehne führt. Bei noch stärkerer Belastung kann es zu einem vollständigen Sehnenriss kommen, bei dem alle Fasern reißen. Dies äußert sich in einer plötzlich auftretenden Lahmheit, die beispielsweise durch einen unerwarteten Schritt, einen unsicheren Tritt, das Hineintreten in ein Loch usw. ausgelöst wird.
Weitere Faktoren, die bei Sehnen- und Bänderverletzungen eine Rolle spielen, sind Degeneration sowie Traumata und Infektionen.
Rehabilitation und Genesung
Die Heilung von Sehnen verläuft in drei Phasen:
1. Entzündung
2. Zellwachstum
3. Zellumbau
Während der Zellumbauphase wird stark deformiertes Gewebe neu aufgebaut. Dieser Prozess dauert 6 bis 12 Monate oder sogar noch länger. Das ist eine lange Zeit, und Sehnen heilen nur schwer, sodass sie nur sehr selten ihre ursprüngliche Widerstandskraft zurückgewinnen. Oft bildet sich Narbengewebe, wodurch sie schwächer und weniger flexibel werden.
Um die besten Heilungsergebnisse zu erzielen, sollte frühzeitig eine Diagnose durch einen Tierarzt erfolgen, um das Problem möglichst genau zu lokalisieren. Die darauf folgende Rehabilitation ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Heilungsprozesses.
Um den Rehabilitationserfolg bestmöglich zu unterstützen, sollte ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden, der von Ihrem Tierarzt angeleitet wird und Ihren Hufschmied sowie weitere Fachleute wie Körpertherapeuten oder Physiotherapeuten einbezieht.
Da die Genesungszeiten lang und Pferde anfällig für erneute Verletzungen sind, sollte der Schwerpunkt nach Möglichkeit auf der Prävention liegen. Zu den Faktoren, die zu Sehnen- und Bänderverletzungen beitragen, gehören ein ungeeigneter Beschlag, das Training auf zu tiefem und weichem Boden sowie die Überlastung der Strukturen und eine mangelnde Vorbereitung auf die Belastung. Die Belastung muss nicht unbedingt zu hoch sein. Auch einseitige und sich wiederholende Bewegungen können schädliche Auswirkungen haben.
Pferdeakupunktur in der Rehabilitation von Sehnen und Bändern
Pferdeakupunktur ist eine wirksame Methode, um sowohl Vorbeugung als auch die Rehabilitation und Genesung bei Sehnen- und Bänderverletzungen zu unterstützen.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Sehnen und Bänder mit dem Element Holz in Verbindung gebracht. Holz beherrscht die Organsysteme Leber und Gallenblase, und das Leber-Blut nährt Sehnen und Bänder. Dies fördert Bewegung, Flexibilität und Stärke. Eine Stagnation oder eine Leere in Bezug auf das Leber-Blut kann zu einer Schwächung dieser Strukturen führen. Zudem ist das Qi für Bewegung und Transport verantwortlich und fließt zusammen mit dem Blut durch die Gefäße. Wenn der Blutfluss eingeschränkt ist, fließt auch das Qi nicht harmonisch durch den Körper.
Eine solche Stagnation von Qi und/oder Blut, die Schmerzen und Lahmheit im betroffenen Bereich verursacht, kann mit Akupunktur behandelt werden und die konventionelle tierärztliche Behandlung ergänzen. Wenn Qi und Blut wieder ungehindert fließen, kann die Entzündung abklingen, die Schwellung geht zurück und das Gewebe wird wieder mit den Nährstoffen versorgt, die es zur Heilung benötigt. Dieser Ansatz unterstützt den Genesungsprozess.
Anhand einer gründlichen Untersuchung, die unter anderem die Palpation von Shu*- und anderen diagnostischen Punkten umfasst, ermittelt ein Pferdeakupunkteur zunächst das zugrunde liegende Ungleichgewicht
Bei Sehnen- und Bänderverletzungen haben wir es häufig mit äußerer Hitze-Fülle mit Qi- sowie möglicherweise Blutstagnation zu tun, oder mit äußerer Qi- und Schleimstagnation, möglicherweise in Verbindung mit Kälte. Dies kann mit einer zugrunde liegenden Leber-Blut- und Yin-Leere verbunden sein. Bei innerer Leere kann dies chronisch werden und zu einem Sehnen-Bi-Syndrom führen.
Basierend auf dem festgestellten Mustererkennung und anderen relevanten Faktoren wählt der Therapeut dann diejenigen Akupunkturpunkte aus, die für die Behandlung des jeweiligen Pferdes am besten geeignet sind. Die Behandlung dieser Punkte trägt dazu bei, die zugrunde liegenden Ungleichgewichte zu lösen und die Genesung zu unterstützen.
*Shu-Punkte oder Zustimmungspunkte sind Akupunkturpunkte auf dem Blasenmeridian am Rücken des Pferdes, seitlich der dorsalen Rückenlinie. Diese Akupunkturpunkte stehen in Verbindung mit dem gesamten Körper sowie allen Organsystemen und Funktionen. Daher werden sie häufig zur Diagnostik des Gesundheitszustands eines Pferdes herangezogen.
Referenz: Eul-Matern, Christina. Akupunktur bei Pferdekrankheiten: Westliche Indikationen – chinesische Diagnostik und Therapie.
Hinweis: Pferdeakupunktur ist eine komplementärmedizinische Methode und ersetzt nicht die tierärztliche Versorgung. Konsultieren Sie vor Beginn einer Behandlung mit Pferdeakupunktur oder Pferdeakupressur stets einen Tierarzt oder einen zertifizierten TCVM-Therapeuten.
